Afghanistan: Geschichte seit 1747 PDF Drucken E-Mail
Geschichte - Geschichte und Hintergründe

Das Reich der Durrani

Ahmed Shah Durrani
Ahmed Schah Durrani

Die politische Geschichte Afghanistans als eigener Staat begann 1747, als der persische Eroberer Nadir Schah ermordet wurde und ein Machtvakuum hinterließ. Damit war die Möglichkeit für ein selbstständiges Afghanistan gekommen. Unter den beiden miteinander verfeindeten paschtunischen Stammesverbänden, den Ghilzai und den Abdali (später Durrani), konnten sich die Abdali durchsetzen: sie ernannten ihren Führer unter dem Namen Ahmad Schah Durrani zum König der Afghanen. Ahmad Schah gilt allgemein als Begründer des afghanischen Staates. Von den meisten Stammesführern unterstützt, begann er mit der Einigung des Landes und dehnte seinen Einfluss von Meshed bis nach Kashmir und Delhi, sowie vom Oxus bis an das Arabische Meer aus. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war das Herrschaftsgebiet der Durrani, das zweitgrößte muslimische Reich, nur übertroffen von dem der Osmanen.

Die Zeit nach dem Tod von Ahmad Schah im Jahr 1772 wurde jedoch bis zur Herrschaft von Amir Abdul Rahman zum Ende des 19. Jahrhunderts durch ständige Auseinandersetzungen zwischen Ghilzai und Abdali (Durrani) sowie Intrigen, Mord und Verrat innerhalb der Herrscherfamilie geprägt.

Die Nachfolge von Ahmad Schah trat sein zweiter Sohn Timur Schah an, der jedoch wenig Unterstützung von den Stammesführern bekam und einen Großteil seiner Herrschaft damit verbrachte ihre Rebellionen niederzuschlagen. Der Widerstand gegen seine Herrschaft zwang ihn 1776 die Hauptstadt
von Kandahar nach Kabul zu verlegen.

Anstelle von loyalen Stammesführern hinterließ Timur Schah einundzwanzig Söhne, von denen die meisten die Nachfolge ihres Vaters anstrebten. Timur Schah hatte sie als Provinzgouverneure eingesetzt. Nach dem Tod von Timur im Jahr 1793 lud sein fünfter Sohn Saman, der Gouverneur von Kabul, seine Brüder ein, um über die Nachfolge zu entscheiden. Außer Humayun und Mahmud, den Gouverneuren von Kandahar und Herat, kamen alle. Saman ließ die Anwesenden und ihre Gefolgsleute gefangen nehmen und erklärte sich selbst zum Herrscher. Um seine Herrschaft und das Reich zu verteidigen, wurde Saman Schah während seiner kurzen Regierungszeit (1793-1801) in eine Vielzahl von Kämpfen verwickelt. Es kam immer wieder zu Unruhen in den Provinzen, deren einheimische oder paschtunische Gouverneure einerseits untereinander, andererseits aber auch gegen den Herrscher intrigierten und kämpften. Im Punjab waren die Sikhs ein ständiger Unruheherd: Saman Schah ernannte hier 1798 Ranjit Singh zum Gouverneur von Lahore, unter dem das Sikh-Reich später ein wichtiger politischer Faktor werden sollte.

Krönung Ranjit Singhs in Lahore
Die Krönung Ranjit Singhs in Lahore

Nachfolgekämpfe in Belutschistan, einfallende Usbeken im Norden des Landes und die Bedrängnis durch die in Persien an die Macht gekommenen Kadscharen, zeigten jedoch schon an, dass das Reich der Durrani begonnen hatte, sich aufzulösen.

Als Saman Schah sich mit der Absicht, die Eroberungserfolge seines Großvaters, Ahmad Schah, zu wiederholen, Richtung Indien wandte, schickten die Engländer 1799 einen Unterhändler nach Persien, um den Schah dazu zu bewegen Afghanistan anzugreifen und so den Druck von Indien abzuwenden. Der persische Schah ging einen Schritt weiter, unterstützte den Gouverneur von Herat, Samans Bruder Mahmud, mit Männern und Geld und ermutigte ihn auf Kandahar zu marschieren. Mahmud nahm die Stadt ein und setzte seinen Vormarsch auf Kabul fort. Saman, der sich in Indien aufhielt, eilte zurück nach Afghanistan, wurde jedoch an Mahmud ausgeliefert (1800), der ihm das Augenlicht nahm und einkerkern ließ.

Die Herrschaft Mahmud Schahs, der die Staatsgeschäfte seinem Wesir Fateh Chan Baraksai überließ, dauerte jedoch nur drei Jahre: eine Intrige der Stammesführer brachte Samans Bruder Schah Schoja 1803 auf den Thron.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Stammesführer sehr mächtig und eigenständig geworden; die äußeren Provinzen strebten ihre Unabhängigkeit an. Im Westen bedrohten die Perser, im Norden die Usbeken und im Osten die Sikhs aus dem Punjab die Einheit des afghanischen Territoriums.

Dazu verstärkte sich der Einfluss europäischer Staaten. In Europa befand sich Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht und schlug dem russischen Zaren Alexander I. 1807 eine gemeinsame Invasion Indiens vor. Um diesem drohenden Einmarsch (der jedoch nie stattfinden sollte) zu begegnen und über Gegenmaßnahmen zu beraten, traf sich in Peshawar eine britische Delegation unter Mountstuart Elphinstone mit Schah Schoja. Am 7. Juni 1809 wurde ein Freundschaftsvertrag geschlossen, indem der Schah einwilligte, keine fremden Truppen durch sein Land ziehen zu lassen. Während die Delegation Schah Schojas in Peshawar verhandelte, war Kabul von den Truppen des ehemaligen Herrschers Mahmud und Fateh Chans besetzt worden. Als Schah Schoja aus Peshawar zurückkehren wollte, wurden seine Truppen vertrieben, er selbst floh aus Afghanistan. Schah Muhmad blieb bis 1818 Herrscher.

Zwischen den Kolonialmächten

Afghanistan zwischen den Großmächten
Afghanistan. Pufferstaat im "Great Game"

Seither war es schwierig, noch von einem einzelnen Herrscher Afghanistans zu sprechen. Die einzelnen Anwärter versuchten Provinzen für sich zu sichern und bekämpften sich gegenseitig. Zu diesem Zeitpunkt war das damalige Reich von Ahmed Schah, dass sich ursprünglich im Westen bis in den östlichen Iran und im Osten bis nach Kashmir, Belutschistan und in den Punjab erstreckte, vollständig zerfallen: Die afghanischen Gebiete jenseits des Indus wurden von den Sikhs besetzt, die Provinzen Sindh und Belutschistan waren in die Unabhängigkeit getreten. Weiterhin war das Land an seinen Außengrenzen einem konstanten Druck ausgesetzt: im Osten durch das persische Reich, im Norden durch die Russen und im Westen durch die Briten, welche ihr Kolonialreich auf Afghanistan ausdehnen wollten.

Der erste wieder einflussreiche Herrscher in Afghanistan war ein Muhammadsai. Diese verdankten ihren Aufstieg Fateh Chans, der als Wesir Schah Mahmuds, vielen seiner Brüder Gouverneursposten verschafft hatte. Dem jüngsten Bruder Fateh Chans, Dost Muhammad, gelang es auch im Jahr 1826 Kabul zu erobern und die Herrschaft über Ostafghanistan zu übernehmen.

Die Zersplitterung Afghanistans in kleine Herrschaftsgebiete nutzten die Engländer und Russen für ihre Politik. Russische Emissäre trafen in Kandahar und Kabul ein, um die dortigen Regenten für ihre Politik in Persien zu gewinnen. Die britischen Gesandten in Kabul und Herat dagegen versuchten, den Einfluss der Russen auszuschalten und zu verhindern, dass Persien komplett unter russischen Einfluss fallen würde. Dost Muhammad, dessen Ziel es war, alle Provinzen unter seine Kontrolle zu bringen, verhandelte mit beiden Seiten. Als die Briten jedoch Dost Muhammads Gesuch um Unterstützung afghanischer Gebietsansprüche im Punjab ablehnten und dieser daraufhin Russland um Hilfe bat, zog die britische Mission ab.

Die Invasion der Briten
Der 60-Meilen lange Bolan Pass, durch den die britisch-indische Armee in Afghanistan mit knapp 30.000 Soldaten einmarschierte

Um einer russischen Einflussnahme auf Afghanistan zuvorzukommen ordnete Lord Auckland, Generalgouverneur von Indien, eine Invasion Afghanistans an, mit dem Ziel Schah Schuja wieder auf den Thron zu setzen. 1838 marschierte eine britisch-indische Armee in Afghanistan ein. Der Erste Anglo-Afghanische Krieg (1838-1842) begann. Die Angreifer stießen auf keine nennenswerte Gegenwehr und eroberten Kandahar im April 1839 und Ghasna im Juli desselben Jahres. Als Kabul im August fiel, wurde Schah Schoja auf den afghanischen Thron gesetzt. Dost Mohammed wurde von den Briten gefangen genommen.

Die Afghanen lehnten sich jedoch gegen die ausländische Besatzungsmacht auf, die ihnen einen König aufgezwungen hatte. Am 2. November 1841 führte Akbar Khan, ein Sohn von Dost Mohammed, einen erfolgreichen Aufstand gegen Schah Schoja und die britisch-indischen Garnisonen im Land durch. Eine britisch-indische Strafexpedition konnte die Garnisonen jedoch nur für kurze Zeit stärken. Den Engländer blieb keine andere Wahl, als das Land zu verlassen. Der britische Rückzug im Januar 1842 endete in einem Blutbad, als afghanische Truppen den ca. 4.500 britischen und indischen Truppen sowie 12.000 Siedlern in den Bergen auflauerten und sie überfielen. Dost Mohammed bestieg im Jahr 1843, nachdem er aus der Gefangenschaft entlassen worden war, wieder den Thron. Schah Schoja war nach dem Rückzug der Briten ermordet worden.

In den nächsten zwanzig Jahren konsolidierte Dost Mohammed seine Herrschaft: es gelang ihm, sich in allen Provinzen Afghanistans durchzusetzen; nur die Rückeroberung der von den Sikhs besetzen Gebiete im Punjab erreichte er nicht.

Die Beziehungen zwischen Afghanistan und Britisch-Indien blieben angespannt, bis Dost Mohammed 1855 mit der indischen Regierung ein Friedensabkommen schloss.

Sturm auf die britische Botschaft in Kabul
Aufstand gegen die ausländische Besatzungsmacht

Nach dem Tod Dost Mohammeds 1863 regierte sein drittältester Sohn Scher Ali das Land bis zu seinem Tod am 21. Februar 1879. Auch seine Regierungszeit war durch interne Auseinandersetzungen gestört. Im Jahr 1873 trafen die Russen mit den Engländern ein Abkommen, wonach die Oxus-Linie die Grenze zwischen beiden Interessengebieten sein sollte. Afghanistan gehörte somit zum britischen Einflussgebiet, sollte aber neutral sein. Scher Alis russlandfreundliche Politik weckte jedoch die Feindschaft der Briten und löste 1878 den zweiten Anglo-Afghanischen Krieg aus. Im November 1878 marschierten wieder britisch-indische Streitkräfte in Afghanistan ein und fügten den Afghanen schwere Verluste zu. Yakub, Sohn und seit März 1879 Nachfolger Scher Alis, unterzeichnete am 26. Mai 1879 den Vertrag von Gandumak, durch den Afghanistan seine außenpolitische Selbstständigkeit verlor. Yakub Khan willigte ein, eine permanente britische Botschaft in Kabul einzurichten und seine Außenpolitik in enger Abstimmung und unter Berücksichtigung der "Wünsche und Ratschläge" der britischen Regierung durchzuführen. Der britische Triumph währte jedoch nur kurz. Am 3. September 1879 wurden die britischen Diplomaten in Kabul ermordet, und es kam zu Aufständen im Land.

Die Ereignisse von 1842 wiederholten sich jedoch nicht: Kabul wurde im Oktober erneut besetzt; Yakub wurde gezwungen abzudanken. Die Engländer entschlossen sich dazu, Abdul Rahman, einen Enkel von Dost Mohammed, auf den Thron zu setzen.

Modernisierung und Monarchie

Abdul Rahman
Abdul Rahman

Abdul Rahman wird allgemein als der Gründer des modernen Afghanistans angesehen. Unter seiner Herrschaft legten Briten und Russen die Grenzen des modernen Afghanistans, so wie sie heute noch bestehen, fest. 1893 wurde mit der Durand-Linie eine Demarkationslinie zwischen Afghanistan und Britisch-Indien geschaffen, welche die Verantwortungen über das jeweilige Gebiet festlegte. Sie war nie als internationale Grenzlinie gedacht und wird heute von afghanischer Seite auch immer noch nicht als offizielle Grenze anerkannt. Die Durand-Linie, heute die Grenze zu Pakistan, geht mitten durch das Stammesgebiet der Paschtunen. Für die nomadischen Bewohner dieser Gebiete bedeutete die Linie eine Absurdität. Abdul Rahman prophezeite den Briten, dass die Stämme in Friedenszeiten zwar zu befrieden seien, im Konfliktfall jedoch nicht.

Innerhalb der geschaffenen Grenzen des Landes gelang es Abdul Rahman, genannt der eiserne Emir, mit seiner straff organisierten Armee die Macht der Stammeshäuptlinge einzuschränken und die Kontrolle über die zahlreichen ethno-linguistischen Gruppen im Landesinneren auszubauen. Er hinterließ ein Land mit organisierter Zentralverwaltung. Er war dabei so erfolgreich, dass sein Sohn und designierter Nachfolger, nach seinem Tod, ohne die sonst üblichen Thronfolgekämpfe die Herrschaft antreten konnte.

Die Einführung moderner europäischer Technologien, die mit Abdul Rhaman bereits begonnen hatte, wurde unter Habibullah weiter fortgeführt. Westlicher Lebensstil und neue Ideen fanden Einzug in das afghanische Königshaus und die afghanische Oberschicht. Viele der unter seinem Vater Verbannten kehrten zurück, darunter Mahmud Tarsi, ein aufgeklärter Denker, der als Schriftsteller und Zeitungsherausgeber für Afghanistan zukunftsweisend war.

Trotz innenpolitischen Drucks entschied sich Habibullah dagegen auf Seiten der Mittelmächte (Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien, Türkei) in den Ersten Weltkrieg einzutreten.

Am 20. Februar 1919 wurde ein tödliches Attentat auf Habibullah verübt.

Habibullahs Sohn, Amanullah, trat die Nachfolge seines Vaters an. Er stand im Mittelpunkt eines Kreises jüngerer, fortschrittlich und national denkender Afghanen und war entschlossen, sein Land der Einflusssphäre der Briten völlig zu entziehen. Im Mai 1919 erklärte er Großbritannien den Krieg (Dritter Anglo-afghanischer Krieg) der mit dem drei Monate später (8. August 1919) abgeschlossenen Vertrag von Rawalpindi endete. Mit diesem Abkommen erkannte Großbritannien Afghanistan als einen souveränen und unabhängigen Staat an.

Nach dem Vorbild der Türkei und des Irans suchte der westliche erzogene Amanullah, Afghanistan im Sinne der europäischen Zivilisation zu modernisieren. Er führte eine Reihe von politischen, sozialen und religiösen Reformen durch. Die afghanische Verfassung (Trennung von Religion und Staat, Einsetzung eines Parlaments) wurde 1923 verabschiedet. Weiterhin schuf Amanullah einen Verwaltungsapparat, führte die allgemeine Schulpflicht für Kinder beiderlei Geschlechts ein und ordnete andere umfassende Maßnahmen zur Modernisierung des Staates an (u.a. Verbot der Vielehe, Abschaffung des Schleiers, Verbot der Sklaverei). Die forcierten Reformbemühungen stießen jedoch insbesondere in religiös-konservativen Kreisen und unter Stammesführern auf erbitterten Widerstand. Als im Anschluss einer Europa-Reise des afghanischen Königspaares (Ende 1927) Bilder im ganzen Lande verbreitet wurden, die den König trinkend und seine Frau ohne Schleier zeigten, kam es zum allgemeinen Aufruhr, der 1929 in einem Aufstand gipfelte und am 14. Januar zur Abdankung Amanullahs führte. Er ging ins Exil und starb 1960 in Zürich.

1929 gelang es Nadir Schah, einem Onkel Amanullahs, mit der Unterstützung von mehreren hundert Stammesangehörigen, den "Räuberkönig" und tadschikischen Volkshelden Baccheh Saqow (Bacha Saqqao) zu vertreiben, der sich nach dem Aufstand zwischenzeitlich zum Emir ernannt hatte. Nadir Schah wurde daraufhin von einer Stammesversammlung zum König ernannt. Unter seiner Regentschaft wurde Afghanistan mit einer neuen Verfassung (1931) zu einer konstitutionellen Monarchie. Im drauf folgenden Jahr leitete er ein wirtschaftliches Reformprogramm ein.

Mohammed Sahir Shah
Mohammed Sahir Schah

Am 8. November 1933 wurde Nadir Schah ermordet und sein 19 Jahre alter Sohn Mohammed Sahir Schah bestieg den Thron. Sahir Schah hatte aber in der Politik zunächst nichts zu sagen. Von 1933 bis 1946 regierte sein Onkel Muhammad Haschim als Premierminister. Nach ihm übernahm Schah Mahmud, ein anderer Onkel, dieses Amt.

Die ersten zwanzig Jahre der Regentschaft unter Sahir Schah waren von einer Politik der nationalen Konsolidierung charakterisiert. Die von Nadir Schah begonnnen Reformen wurden fortgeführt und auswärtige Beziehungen ausgebaut. Insbesondere zu Deutschland, Italien und Japan stellte Afghanistan enge Handelsbeziehungen her. Zu Beginn des 2. Weltkrieges 1939 erklärte Sahir Schah allerdings die Neutralität des Landes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die Paschtunistan-Frage an Bedeutung. Anlass war die Eingliederung der weitestgehend von Paschtunen bewohnten Stammesgebiete der North-West Frontier Province in den 1947 mit der Unabhängigkeit Indiens entstandenen Staat Pakistan. Afghanistan strebte die Rückgabe der einst zum Lande gehörenden Gebiete an und forderte vergeblich eine Volksabstimmung zur Frage der Selbstbestimmung in den Stammesgebieten. Als Vergeltungsmaßnahme stimmte Afghanistan, seit November 1946 Mitglied der Vereinten Nationen, gegen die Aufnahme Pakistans in die Weltorganisation. Auch in den folgenden Jahren blieb das Verhältnis beider Länder angespannt. Es kam zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen pakistanischen Streitkräften und Stammesangehörigen der Paschtunen. 1949 riefen die Paschtunen, mit Billigung der afghanischen Regierung, eine Bewegung zur Gründung eines unabhängigen Staates ins Leben.

1953 löste Mohammed Daud, ein Cousin König Sahirs, den seit 1946 amtierenden Premierminister Schah Mahmud ab. Mohammed Daud verfolgte einen härteren Kurs in der Paschtunistan-Frage; gleichzeitig wandte er sich verstärkt der Sowjetunion zu, um dem Druck Pakistans in dieser Frage auszuweichen. Chruschtschow und Bulganin reisten 1955 nach Kabul, versprachen einen großzügigen Kredit und sagten ihre Unterstützung für einen Staat Paschtunistan zu. Auch das Freundschafts- und Nichtangriffsabkommen von 1931 wurde erneuert. Die Sowjetunion wurde zum größten und wichtigsten Partner Afghanistans.

Daud und Sahir Schah verstanden es jedoch, aus der strategischen Lage Afghanistans wirtschaftliches Kapital zu schlagen, ohne dafür politische Zugeständnisse zu machen. Indem sie sich während des Kalten Krieges keinem der beiden Blöcke anschlossen, bekamen sie neben der russischen Unterstützung auch massiv Mittel seitens der USA und anderer westlicher Industrieländer, welche sich Einfluss im Lande sichern wollten.

Unter der Regierung von Mohammed Daud entstand in Afghanistan erstmals so etwas wie ein modernes Staatswesen. Gleichzeitig bildete sich eine neue Bildungselite und Oberschicht heraus, die sich allerdings zunehmend von der ländlichen Bevölkerung entfernte und diese somit von der Partizipation in den Institutionen des modernen Staates ausschloss. Die intellektuelle Elite schloss sich in der Folge radikalen Organisationen an, deren Spektrum von den Kommunisten bis zu den islamischen Fundamentalisten reichte.

Die zehnjährige Regierungszeit Dauds endete 1963 in Folge des wiederaufgeflammten Paschtunistan-Konfliktes. Im August 1961 hatte Pakistan die Grenzen zu Afghanistan geschlossen, so dass das Land für den Transit und den Handel völlig von der Sowjetunion abhängig war. Um die Situation zu entspannen, trat Daud auf Wunsch Sahir Schahs im März 1963 zurück, woraufhin Pakistan die Grenze im Mai wieder öffnete. Die Paschtunistan-Frage war damit jedoch keineswegs gelöst.

Nun erst folgte die eigentliche Regierungszeit Sahir Schahs. Er erließ 1964 eine neue Verfassung, die zu einer liberaleren Regierungsform führen sollte. Das "House of the People" sollte 216 gewählte Mitglieder haben, das "House of the Elders" 84 Mitglieder, ein Drittel vom Volk gewählt, ein Drittel vom König ernannt und ein letztes Drittel indirekt durch die Provinz-Versammlungen gewählt. Die ersten Wahlen für das Parlament wurden 1965 abgehalten.

Die Gründung von politischen Parteien war zwar in der Verfassung vorgesehen, ein Gesetz dazu sollte jedoch erst nach den Wahlen vom Parlament verabschiedet werden. Mehrere linke, marxistische Gruppen begannen jedoch vor der Ausarbeitung des Parteiengesetzes sich zu organisieren. Das von der Interims-Regierung verabschiedete Gesetz zur Pressefreiheit gab ihnen die Möglichkeit, mittels intensiver Kampagnen um Anhänger zu werben. Viele Zeitungen wurden gegründet, welche die Parteienvielfalt widerspiegelten. Insgesamt gelang es den marxistisch-kommunistischen Gruppen, sich eine einflussreiche, starke Position aufzubauen, was nicht zuletzt auch auf Unterstützung russischer Berater zurückzuführen war.

Das breite Parteienspektrum, das von den extremen Linken bis zu islamischen Fundamentalisten reichte, führte zu einer zunehmenden Polarisierung unter den verschiedenen Gruppen. Es kam regelmäßig zu Demonstrationen mit teilweise tödlichen Auseinandersetzungen. Die Berufung von fünf aufeinanderfolgenden Premierministern zwischen den Jahren von 1965 bis 1972 reflektierte die chaotische, fast anarchische Situation im Lande.

König Sahir Schah weigerte sich, das Parteiengesetz und verschiedene Gesetze zur Dezentralisierung zu verabschieden und blockierte damit die Institutionalisierung des politischen Prozesses, wie er in der Verfassung festgeschrieben war. Auch ein unabhängiger Oberster Gerichtshof wurde nicht eingesetzt. Als Folge verlor Sahir Schah zunehmend an Popularität.

Die kurze Republik

Mohammed Daud
Mohammed Daud

Mohammed Daud, der bereits bis 1963 Premierminister gewesen war, nutzte die Stagnation des Reformprozesses und die Unzufriedenheit mit dem König und übernahm im Juli 1973 unterstützt von der marxistischen Partei Partscham ("Fahne") die Macht. Er setzte Sahir Schah ab, hob die Verfassung von 1964 auf und ernannte sich selbst zum Staatsoberhaupt. Die Partscham war eine Abspaltung von der 1965 gegründeten Kommunistischen Partei Chalk (kurz "Volk" für "Demokratische Volkspartei"). Während der Chalk-Flügel eher Männer ländlicher Herkunft und viele Paschtunen um sich gruppierte, fanden sich in der Partscham-Gruppierung eher Männer städtischer Herkunft und der Oberschicht ein. König Sahir Schah ging ins Exil nach Italien, wo er bis heute (2001) lebt.

Während seiner zweiten Amtszeit entfernte sich Daud von dem sozialistischen Programm, welches seine Regierung bei der Machtübernahme verkündet hatte. Es gelang ihm in den folgenden zwei Jahren alle marxistischen Minister in seinem Kabinett auszutauschen und dadurch seine eigene Position zu stärken.

Zu Beginn des Jahres 1977 wurde eine neue Verfassung verabschiedet und Daud wurde im März in das mit großen Machtbefugnissen ausgestattete Amt des Präsidenten gewählt. Er ernannte ein bürgerliches Kabinett, das aus Freunden und Teilen der königlichen Familie bestand. Da Daud ebenfalls die Politik der Bündnisfreiheit des Landes beibehielt und eine erneute Annäherung an Moskau ablehnte, konnte er weder mit Moskaus Unterstützung noch der Loyalität der Offiziere rechnen, die ihn 4 Jahre zuvor ins Amt gebracht hatten.

In der Folge bemühte sich Daud, Afghanistan aus der Abhängigkeit der Sowjetunion (und der USA) zu befreien. Es gelang ihm, sich mit dem Schah des Irans zu verständigen und mit Zulfikar Ali Bhutto, dem Premierminister von Pakistan, eine Abmachung zur Lösung des Paschtunistan-Konfliktes zu treffen. Weiterhin erweiterte und intensivierte er die Kontakte zu anderen muslimischen Staaten und bereiste im März und April 1978 Kuwait, Ägypten und Saudi-Arabien.

Die Hinwendung zur islamischen Welt konnte Dauds Umsturz jedoch nicht aufhalten. Die ehemals zerstrittenen marxistischen Organisationen Partscham und Chalk schlossen sich gegen Daud zusammen. Auf eine Serie von politischen Attentaten und gegen die Regierung gerichteten Massendemonstrationen folgte im April 1978 ein gewaltsamer Staatsstreich, bei dem Daud und ein großer Teil seiner Familie getötet wurden.

Die beiden Parteiflügel Chalk und Partscham teilten sich zunächst die übernommene Macht. Ein Revolutionsrat unter Führung Mohammed Tarakis (Chalk) wurde als Regierung eingesetzt. Babrak Karmal, Führer des Partscham-Flügels und Hafisullah Amin (Chalk) wurden zu Vize-Präsidenten gewählt. Die Führer der neuen Regierung betonten ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion, setzten die Verfassung außer Kraft und verkündeten ein Programm des "Wissenschaftlichen Sozialismus".

Schon bald nach der Machtübernahme traten die Differenzen zwischen dem Chalk- und dem Parcham-Flügel wieder offen hervor. Die Chalk-Fraktion, die ihren Rückhalt besonders in der Armee hatte, gewann jedoch schnell die Oberhand: Partscham-Leute wurden entlassen oder auf Botschafter-Posten versetzt (so auch Babrak Karmal) und dann ganz ausgeschaltet.

Das Reformprogramm des Taraki-Regimes, das traditionelle kulturelle afghanische Sitten zu unterminieren drohte und vor allem die Brutalität und die politische Repression der neuen Führung, resultierten in wachsendem Widerstand der Bevölkerung gegen das zentralistische Regime.

Die Entfremdung besonders der paschtunischen Bevölkerung von Tarakis Politik ging so weit, dass aus dem Widerstand ein "Heiliger Krieg" (Jihad) gegen Kabul wurde, der sich erstmals im Sommer 1978 in einer gewaltsamen Revolte in Nuristan manifestierte. Weitere Aufstände im ganzen Lande folgten.

Da sie die Rebellion nicht eindämmen konnten, baten Hafisullah Amin, seit März 1979 Regierungschef, und Taraki, nach wie vor Präsident des Revolutionsrat, die Sowjetunion um Hilfe. Trotz der sowjetischen Militärhilfe setzte sich der Widerstand gegen die Regierung fort.

Im September 1979 wurde Taraki nach der Rückkehr von einer Reise aus Moskau von seinem Rivalen Hafisullah Amin getötet, der so seiner Absetzung zuvorkommen wollte.

Die sowjetische Besatzung

Amin blieb jedoch nicht lange an der Macht: Am 27. Dezember 1979 kam es zum Einmarsch sowjetischer Truppen, in deren Folge Amin getötet wurde und Babrak Karmal als Staats-, Regierungs- und Parteichef eingesetzt wurde. Seitdem bemühten sich die sowjetischen Einheiten, deren Zahl Mitte der 1980er Jahre etwa 118.000 betrug, die Regierungsautorität in allen Teilen des Landes wiederherzustellen.

Mujaheddin
Eine Gruppe afghanischer Widerstandskämpfer

Der Widerstand gegen Karmal und die sowjetische Besatzungsmacht wuchs rasch an. Seit 1980 kämpften, kollektiv als Mujaheddin (ursprünglich eine Bezeichnung für den islamischen Glaubenskämpfer im Heiligen Krieg) bezeichnet, verschiedene regionale Gruppen innerhalb Afghanistans gegen die sowjetische Besetzung. Der Widerstand wurde dabei besonders durch die mehr als drei Millionen Kriegsflüchtlinge in Pakistan unterstützt.

Die USA hatten auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan mit Protest reagiert. Sie verhängten ein Weizenembargo gegen die Sowjetunion und boykotierten die Olympiade 1980 in Moskau. Gleichzeitig wurde jedoch auch ein verdecktes Programm zur Unterstützung des afghanischen Widerstandes initiiert, das in den folgenden Jahren unter US-Präsident Ronald Reagan kontinuierlich ausgeweitet wurde.

Am 4. Mai 1986 wurde Karmal von Mohammed Nadschibullah, dem früheren Leiter der Staatspolizei abgelöst. Eine Kampagne der "nationalen Wiederversöhnung", welche auch einen sechsmonatigen Waffenstillstand vorsah, stieß bei den Mujaheddin jedoch auf wenig Resonanz. Dies lag auch daran, dass sich mit der Zunahme ausländischer Militärhilfe seit Ende 1986 die militärische Situation für die Widerstandskämpfer entscheidend verbessert hatte. Die USA, Großbritannien und China lieferten über Pakistan Waffen an die Freiheitskämpfer, wovon besonders die amerikanischen Stinger-Flugabwehrraketen, den sowjetischen Luftkräften empfindliche Verluste zufügte.

Sowjettruppen
Sowjetische Panzer überqueren am 6.2.1989 nach neunjähriger Besetzung den Grenzfluss Amudarja in Richtung Norden

Als die Kabuler Regierung Ende der 1980er Jahre praktisch nur noch die größeren Städte und die wichtigsten Verbindungswege kontrollierte, entschied sich Moskau, seine Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Am 14. April 1988 wurde zwischen den USA, der Sowjetunion, Pakistan und Afghanistan ein Abkommen in Genf unterzeichnet, das neben dem russischen Truppenabzug innerhalb der nächsten neun Monaten auch ein afghanisch-pakistanisches Abkommen vorsah, in welchem beide Länder erklärten, eine Einmischung und Intervention in die inneren Angelegenheiten des anderen Landes zu unterlassen. Zudem wurde die Rückkehr von afghanischen Flüchtlingen in ihr Heimatland beschlossen. Die Frage, wer nach dem sowjetischen Abzug regieren sollte, wurde nicht behandelt.

Der Bürgerkrieg der Mujaheddin

Nach dem vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen im Februar 1989 ging der Bürgerkrieg im Inneren des Landes jedoch unvermindert fort. Erst im April 1992 wurde Kabul von den Mujaheddin erobert und Präsident Nadschibullah gestürzt. Unter den Gruppen des ehemaligen afghanischen Widerstandes kam es jedoch im Anschluss zu heftigen Auseinandersetzungen untereinander.

Ende 1992 wurde Burhanuddin Rabbani von der tadschikischen Partei Jamiat-e-Islami zum Präsidenten gewählt. Seine Amtszeit sollte sich auf zwei Jahre beschränken. Der Paschtunenführer Gulbuddin Hekmatyar von der fundamentalistischen Organisation Hezb-e-Islami und andere kleinere Gruppen lehnten Präsident Rabbani jedoch ab. Durch eine terroristische Politik, ständigen Raketenbeschuss und schließlich die vollständige Blockade Kabuls im Winter 1992/93 erzwang Hekmatyar im Abkommen von Islamabad im März 1993 seine Ernennung zum Premierminister. Die Vereinten Nationen erkannten die am 17. Juni 1993 vereidigte, neue Regierung mit Hekmatyar als Premierminister an. Im September 1993 wurde eine Übergangsverfassung beschlossen, die bis zu den Neuwahlen Anfang 1994 bestehen sollte. Da eine erwartete Waffenruhe jedoch nicht eintrat und es im Januar 1994 erneut zu schweren Kämpfe kam, kündigte Rabbani die Regierungszusammenarbeit mit Hekmatyar auf. Die für März 1994 geplanten Wahlen fanden nicht statt. Um eine Entscheidung in der Machtfrage zu erreichen, schlug sich General Dostum, der Führer der usbekisch dominierten Dschonbesch-e Melli, der bisher den Präsidenten unterstützt hatte, auf die Seite seines früheren Feindes Hekmatyar. Doch dieser neuen Allianz gelang es trotz massiver Raketenangriffe auf Kabul nicht, Rabbani zu entmachten. Entgegen den Vereinbarungen trat dieser Ende Juni 1994 nicht von seinem Amt zurück, sondern baute mit Unterstützung der tadschikischen Miliz unter Ahmed Schah Massud seine Stellung in der Hauptstadt noch weiter aus.

Das zerstörte Kabul
Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg ist die Hauptstadt Kabul nahezu völlig zerstört

Der Machtkampf unter den zerstrittenen Gruppen des ehemaligen Widerstandes hatte dazu geführt, das besonders die ländlichen Gebieten unter die Kontrolle einzelner Warlords und ihrer Milizen gelangt waren. Diese lokalen Machthaber finanzierten sich über Wegzölle, Steuern, Waffen- und Drogenhandel sowie den Schmuggel von Holz. Die Situation in Afghanistan war geprägt durch einen fortwährenden Zustand der Unsicherheit. Plünderungen, Vergewaltigungen und andere Gewalttaten standen auf der Tagesordnung.

Die Taliban

Taliban-Kämpfer
Taliban-Kämpfer

In diesem Kontext bildete sich im Herbst 1994 mit pakistanischer Unterstützung, die paschtunisch dominierte Bewegung der Taliban. Ihre Kämpfer rekrutierten sich zu einem großen Teil aus Studenten fundamentalistischer Koranschulen (Madrassas) in Pakistan. Von der Bevölkerung wurden die Taliban zunächst als Befreier von den chaotischen Verhältnissen unter den Mujaheddin begrüßt, entpuppten sich jedoch bald als rigorose Verfechter radikalislamischer Traditionen, die durch drakonische Strafen und die diskriminierende Behandlung von Frauen in Erscheinung traten. Es gelang den Taliban, innerhalb kürzester Zeit große Teile des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen und im September 1996 Kabul einzunehmen.

Um den Vormarsch der Taliban zu stoppen, schlossen sich die ehemals rivalisierenden Gruppierungen der Mujaheddin zu einem Zweckbündnis, der sogenannten "Nordallianz", zusammen. Seit 1998 kontrollierte die Nordallianz jedoch nur noch zwischen fünf und zehn Prozent des tadschikisch besiedelten Nordostens. Trotz wiederholter Offensiven beider Kriegsparteien stagnierte der Frontverlauf.

Die Situation im Inneren des Landes ändert sich jedoch entscheidend, nach den terroristischen Anschlägen auf das New Yorker World Trade Centre und das Pentagon in Washington am 11. September 2001. Als Hauptverdächtige für die Attentate identifizierten die amerikanischen Behörden umgehend den in Afghanistan lebenden saudi-arabischen Multimillionär Osama bin Laden und das Terror-Netzwerk Al-Qaida. Seit den 1980er Jahren kämpfte Bin Laden mit anderen Freiwilligen aus der arabischen Welt im afghanischen Widerstandskampf und genoss seit der Machtübernahme der Taliban deren Gastfreundschaft. Nachdem die Taliban, die amerikanische Forderung nach einer Auslieferung Bin Ladens zurückgewiesen hatten, organisierte die USA, abgesichert durch eine diplomatische "Allianz gegen den Terror", den militärischen Aufmarsch in der Region. Am 7. Oktober begannen mit Unterstützung Großbritanniens die ersten Bombardierungen auf Stellungen der Taliban und der Al-Qaida. Gleichzeitig erhielt die Nordallianz massive Unterstützung durch die USA und anderer Staaten der "Allianz gegen den Terror". Nur einen knappen Monat nach Beginn der Luftschläge gelang der Nordallianz ein überraschend schneller Vormarsch, der am 13. November zur Einnahme Kabuls führte und in den folgenden Tagen die im Süden des Landes gelegene Taliban-Hochburg Kandahar erreichte.

Obwohl die Bewegung der Taliban militärisch am Ende zu sein scheint, steht Afghanistan eine ungewisse politische Zukunft bevor. Am 27. November begann auf dem Petersberg bei Bonn unter der Schirmherrschaft der UNO eine Afghanistan-Konferenz mit Vertretern der wichtigsten Volksgruppen des Landes, um die Voraussetzungen für eine breitangelegte, multiethnische afghanische Übergangsregierung zu schaffen. Ob allerdings eine dauerhafte Befriedung Afghanistans nach fast 30 Jahren Bürgerkrieg möglich ist, bleibt ebenso fraglich wie die Chancen, das ruinierte Land mit internationaler Hilfe wirtschaftlich wiederaufzubauen.